Kleine Schwindel

ein Großstadtfilm für moderne Kinder

Der neunjährige Deniz ist klein und unbeholfen, er wird von seinen Altersgenossen herumgestoßen und möchte so gern irgendwo dazu gehören. Die vierzehnjährige Lina ist lang und dünn, und wenn sie etwas hasst, dann ist es die Vorstellung, irgendwo dazu zu gehören. So weit ihre eigene Sichtweise, aber wer kennt sich selbst schon genau!

Mitten in seinem Wohnviertel trifft Deniz auf Lina. Lina lebt ein eigenwilliges und auf den ersten Blick sehr selbstbestimmtes Leben. Ihren Lebensunterhalt bestreitet sie durch eine undurchsichtige Mischung aus Straßenakrobatik, Spenden und Kleinstdiebstahl. Deniz ist sofort von Lina fasziniert. Ohnehin sucht er einen Freund, am besten einen großen Freund, der ihn gegen die Angriffe aus seiner Um-Welt verteidigt. Warum nicht eine Freundin? Warum nicht Lina?

Linas Unangepasstheit hat nicht nur die lockere, fröhliche Seite, die Deniz zu Beginn kennen lernt. Dahinter verbergen sich eine traurige und eine zerstörerische Seite, die Deniz eben zunächst gar nicht wahr haben will. Doch auch, wer allen Bindungen aus dem Weg gehen will, kann lernen, dass es schön sein kann, Freunde zu haben und Freund zu sein, sich helfen zu lassen und selbst anderen zu helfen. Vielleicht verbirgt sich ja unter der Härte, der Stärke und der scheinbar selbst gewählten Einsamkeit der tiefe Wunsch, doch - irgendwo - dazu zu gehören. Deniz hingegen erfährt, dass man sogar als ein Kind, das von niemandem ernst genommen wird, über sich hinaus wachsen kann, wenn man seine Angst überwindet, vor allem die Angst davor, man selbst zu sein. Wenn man sich nicht von allen ins Leben reinquatschen lässt, kommt man vielleicht zu völlig unerwarteten Erkenntnissen.

Am Ende der Story ist Lina jedenfalls durch Deniz’ naive Unerschrockenheit ihrem heimlichsten Wunsch, den niemand, nicht einmal sie selbst, kennen darf, einen großen Schritt näher gekommen: eine Familie zu haben (was für ein Horror!). So, wie es aussieht, hat sie vielleicht sogar zwei. Das wäre dann der wohlverdiente Doppelhorror. -

In Entwicklung zusammen mit HUPE-Film, Köln.

DENIZ:
Schläfst Du hier richtig?
LINA:
Was denn sonst? Meinst du, ich schlaf hier falsch?
DENIZ:
Nein, meine ich nicht. Ich meine, so weit oben?
Lina antwortet nicht.
DENIZ:
Warum machst Du überhaupt alles so weit oben?
LINA:
Weil ich hier in Ruhe gelassen werde. - (Pause)- Normalerweise!