Krasnojarsk IV

Es gibt Dinge, die einem mehr versauen als nur den gesamten heutigen Tag:

  • Was ist das für ein riesiger Fragebogen, der morgens in Elenis Post liegt?
  • Warum muss sie dem Amt gegenüber bis heute abend all ihre Lebensumstände offenlegen?
  • Was heißt „sonst erlöschen Ihre Lebensberechtigungsansprüche“?

Das kann doch nur ein Irrtum sein! Da ruft Eleni gleich mal das Amt an.
 

Personenbeschreibung:
 
... Eleni:

mitten in Zentralrussland geboren, durch Dieter kurz vor der Wende nach Deutschland gekommen, ist ein durch und durch freundlicher Mensch. Inzwischen spricht sie fast akzentfrei deutsch. Sie ist eine sehr beliebte Kellnerin in einem preisgünstigen Restaurant mit multikultureller Hausmannskost. Falls sie Probleme mit ihren Mitmenschen bekommt, geht sie davon aus, dass es sich nur um ein Missverständnis halten kann, und möchte alles dafür tun, dies aus dem Weg zu räumen. Die leise Ahnung, dass es Menschen gibt, die einfach nur schlecht und bösartig sind, löst bei Eleni sofortige, wenn auch leichte Übelkeit aus; sie muss sich dann schnell hinlegen und warten, bis die Attacke vorüber ist. Eleni lebt unter anderem deshalb allein, weil sie sich noch nie in ihrem Leben einsam gefühlt hat.
 
... Beamter:

phlegmatisch, selbstgefällig, andere Menschen werden für ihn nur interessant, wenn er sie quälen kann. Er hat sich freiwillig für die Abteilung Erfassung der Lebensumstände gemeldet. Er ist selbst so ein unglaublicher Schmarotzer, dass er sich nicht vorstellen kann, dass andere Menschen dies nicht sind. Dafür, dass sie ihn evtl. nicht mögen, hätte er niemals Verständnis, also nimmt er Antipathien gar nicht erst wahr.
 
... Dieter:

unterscheidet die Welt in männlich und weiblich, mit Männern betrinkt er sich, Frauen liefert er sich aus, solange er sie finanziell ausnehmen kann oder scharf auf sie ist. Innerhalb von wenigen Monaten entwickelt er zu jeder Frau eine psychotische Beziehung, deren einziger Sinn es ist, mittels heftiger Streitattacken und der daraus folgenden Adrenalinschübe in Schwung zu kommen. Den Jähzorn hat er von seiner Mutter, die diesen aber nie ausgelebt hat.
 
... Karsten:

wollte nie Händler sein, sondern liebt einfach nur Autos, das teilt er mit vielen Menschen - sonst aber auch gar nichts. Er fühlt sich schon immer allein, Autos waren für ihn immer vorrangig ein Mittel zum Wegfahren, zum Abhauen, wenn er ES ALLES nicht mehr aushält. Leider wurde ihm gerade sein letztes Auto gepfändet.
 
... Ludmilla:

Kleinbäuerin, arm, aber ihr eigener Herr auf ihrer kleinen russischen Scholle, sie verzichtet ohne Groll auf allen möglichen Schnickschnack, um daraus evtl. erwachsenen Abhängigkeiten aus dem Weg zu gehen. Sie ist Einsiedlerin, weil sie an keine Glückverheißung glaubt und von anderen Menschen niemals etwas Gutes erwarten würde. Sie ist nicht verbittert, aber sie ist ein sehr nüchterner Mensch. Sie wird ihr Dorf nur aus einem einzigen Grund verlassen: wenn Eleni ihr endlich ein Enkelkind schenkt.
 
... Versicherungsagent:

hat sich noch nie in Frage gestellt, hält die Welt für eine Befriedigungsanstalt, andere Menschen sind für ihn das Mittel zum Zwecke der eigenen Wohlstandsmaximierung. Deshalb hat er gelernt, sehr höflich zu ihnen zu sein und überhaupt alles zu tun, um alle Widerstände abzubauen, damit sie sich restlos von ihm ausnehmen lassen. Menschen, die ihm nicht von Nutzen sein können, nimmt er gar nicht erst wahr.
 
... Eric:

Kleinkrimineller, ist genervt auf seine Mitmenschen, weil letztendlich jeder etwas von ihm will, was ihn mit Leichtigkeit in den Knast bringen könnte. Er sehnt sich nach einem Menschen, der nix von ihm will und vergisst, daß eigentlich er es ist, der, sobald er jemanden kennenlernt, ihm sofort etwas verditschen will. Wohnungseinbruch macht er nur bei Leuten, die ihn sehr enttäuscht haben, und irgendwie hat er die Ahnung, dass genau dies ihn eines Tages in den Knast bringen wird. ...

mit: Marina Schubarth, Roland Hemmo, Florian Hertweck, Achim Ruppel,
Klemens Brysch, Natalia Bondar u.a.

in Zusammenarbeit mit der HFF Konrad Wolf

vorgeschlagen für den Deutschen Kurzfilmpreis